📅 Wann: Samstag, den 31. Januar 2026 von 14:30 bis 16:30
Uhr
📍 Wo: Schivelbeiner Straße 6, 10439 Berlin, GePGeMi e.V.
Neues Jahr, neuer Anfang? Passend zum Januar lud das Vielfaltscafé dazu ein, gemeinsam über Neuanfänge und das Ankommen zu reflektieren. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie: Was bedeutet „Neuanfang“ für dich? Was heißt es, anzukommen: sei es in einer Migrationsgesellschaft oder in einem neuen Lebensabschnitt? Und welche Momente oder Erfahrungen markieren für dich einen Neuanfang oder das Gefühl des Ankommens?
In entspannter Atmosphäre kamen die Teilnehmenden bei der gemeinsamen Zubereitung von Mandus (koreanische Teigtaschen) für Tteok Mandu Guk (traditionelle koreanische Suppe, die besonders zum Mondneujahrsfest gegessen wird) ins Gespräch. Das gemeinsame Kochen schuf eine entspannte Atmosphäre, die den Austausch erleichterte und Raum für persönliche Geschichten und unterschiedliche Perspektiven eröffnete.
Mit einem Fahrkartenentwerter ankommen
Neben dem Kochen diente die Photovoice-Dokumentation aus dem vergangenen Projekt als Gesprächsanstoß. Die ausgewählten Fotos und dazugehörigen Anekdoten der Dokumentation halfen dabei, Erfahrungen des Ankommens und von Neuanfängen greifbar zu machen. Es wurde deutlich, dass selbst scheinbar absurde Situationen, wie der „berlinerische“ Umgang mit einem Fahrkartenentwerter, zu prägenden Momenten des Ankommens in einer Migrationsgesellschaft werden können. Die Co-Forscherin mit koreanischer Herkunft erzählte in ihrer Anekdote aus der Photovoice-Dokumentation, dass sie zunächst in einer anderen deutschen Stadt lebte. Dort spürte sie den Druck, sich wenig vielfältigen gesellschaftlichen Normen anzupassen. Dieses Erleben ging für sie mit einer konstanten Anspannung einher, verbunden mit dem Gefühl, „normal“ sein zu müssen. Die Situation mit dem Fahrkartenentwerter, bei der der Berliner Busfahrer ihr zurief, sie solle den Entwerter schlagen, damit er funktioniere, löste diese Anspannung. Für sie war dieser Moment symbolisch dafür, dass sie sich keine extra Mühe geben muss, damit alles perfekt funktioniert und sie „normal“ ist. Auch alltägliche Dinge im unmittelbaren Umfeld oder ein Dokument können einen Neuanfang markieren.
Zwischen Gefühl, Prozess und Moment
Im Austausch zeigte sich, dass Neuanfang und Ankommen sich nicht immer eindeutig an einem bestimmten Ereignis festmachen lassen. Vielmehr handelt es sich häufig um ein Zusammenspiel aus einzelnen
Momenten, Gefühlen und längeren Prozessen.
Ein Teilnehmer beschrieb, dass ein Neuanfang für ihn kein klar definierter Moment sei. Stattdessen verstehe er jeden Tag als eine Art Neuanfang. Für ihn sind sowohl das Ankommen als auch der
Neuanfang fortlaufende Prozesse, die sich über die Zeit entwickeln.
Eine Teilnehmerin verband das Ankommen vor allem mit einem Gefühl von Sicherheit. Erst wenn sie sich sicher und akzeptiert durch andere fühle, entstehe für sie das Empfinden, wirklich angekommen
zu sein. Eine andere Teilnehmerin konnte es nur unterstreichen und hob hervor, dass sie in Berlin durch die Offenheit der Berliner Gesellschaft sie selbst sein könne. Für sie ist dies ein
zentraler Faktor des Ankommens.
Wie Austausch und Verständnis einen Neuanfang erleichtern
Gleichzeitig wurde thematisiert, dass Erwartungen, sowohl von anderen als auch an sich selbst, Unsicherheiten in Phasen des Neuanfangs verstärken können. Der Austausch mit anderen, das Teilen von
Erfahrungen und die Akzeptanz innerhalb der Migrationsgesellschaft, dass am Anfang nicht alles perfekt laufen muss, können diesen Prozess jedoch erleichtern und entlasten. Aller Anfang ist
schwer, aber durch Austausch und Verständnis können wertvolle Erfahrungen entstehen.
Das Vielfaltscafé möchte einen Raum schaffen, in dem Menschen - mit oder ohne Migrationsgeschichte - ankommen, sie selbst sein und ihre Vielfalt miteinander teilen können.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
Ein Projekt von