Tagesworkshop: Nicht die Sprache allein – erschwerter Zugang von Migrant*innen zur gesellschaftlichen Teilhabe
– zu strukturellen Barrieren, Rassismus und gesellschaftlicher Teilhabe
📅 Wann: Samstag, 20. Dezember 2025 | ⏰ 10:30 - 17:30
Uhr
📍 Wo: Schivelbeinerstraße 6, 10439 Berlin (GePGeMi Büro)
Im Rahmen des Projekts Vielfalt im Dialog – mit EBAV fand am Samstag, den 20. Dezember 2025, der Tagesworkshop „Nicht die Sprache allein – erschwerter Zugang von Migrant*innen zur gesellschaftlichen Teilhabe“ statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland tatsächlich ermöglicht wird und welche strukturellen Barrieren Migrant*innen weiterhin erfahren. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Erfahrungen von Menschen, die antiasiatischen Rassismus erleben.
Ausgehend von der häufig vertretenen Annahme, Sprache sei das zentrale Hindernis für Teilhabe, wurde kritisch hinterfragt, wie Verantwortung oft einseitig bei Migrant*innen verortet wird. Der
Workshop machte deutlich, dass Diskriminierung, Rassismus und historisch gewachsene Machtverhältnisse maßgeblich darüber entscheiden, wer Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe erhält, und wer
ausgeschlossen bleibt. Ziel war es, diese Strukturen sichtbar zu machen und eigene Perspektiven zu reflektieren.
Zu Beginn setzten sich die Teilnehmenden mit ihren eigenen Werten und Ansichten auseinander. Interaktive Impulse und gezielte Fragen eröffneten einen Reflexionsraum, in dem stereotype
Vorstellungen, Wissenslücken und gesellschaftliche Zuschreibungen sichtbar wurden. Dabei wurde spezifisch auf antiasiatischen Rassismus eingegangen und dieser in seinen historischen und
gesellschaftlichen Kontext eingeordnet. Behandelt wurden unter anderem koloniale Kontinuitäten, Fragen von Erinnerung und Sichtbarkeit sowie deren Fortwirkung in heutigen gesellschaftlichen
Narrativen.
Einen zentralen Schwerpunkt bildete die Arbeit mit der Photovoice-Dokumentation “Wie fühlen wir uns in der Migrationsgesellschaft wohl? Lebenswelten der Jüngeren, Älteren und Familien“. Anhand von Fotografien und Zitaten aus migrantischen Lebensrealitäten erhielten die Teilnehmenden einen emotionalen und perspektivischen Zugang zu Erfahrungen von Zugehörigkeit und Ausschluss. Durch das freie Bewegen im Raum, individuelle Bildbetrachtungen und anschließende Gruppengespräche wurden Irritation, Empathie und Reflexion angeregt. Es wurde deutlich, wie Sprache mit Macht, institutionellem Handeln und bürokratischen Strukturen verknüpft ist und wie Verantwortung für Verständlichkeit häufig individualisiert wird, während strukturelle Ausschlüsse bestehen bleiben.
Zum Abschluss stand der Transfer in die eigenen Kontexte im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden reflektierten ihre Verantwortung als verbündete Personen, setzten sich mit
Allyship und Powersharing auseinander und entwickelten erste Ansätze für rassismuskritisches Handeln im beruflichen und privaten
Alltag.
Der Workshop bot einen intensiven, reflektierenden und zugleich empowernden Raum. Er zeigte, dass gesellschaftliche Teilhabe nicht an individueller Anpassung scheitert, sondern an strukturellen
Ausschlüssen und dass eine rassismuskritische Auseinandersetzung eine zentrale Voraussetzung für echte Zugehörigkeit ist.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
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