Sehen, was öfters übersehen wird 

Rundgang durch die Photovoice-Ausstellung „Wie fühlen wir uns in der Migrationsgesellschaft wohl?  Muttersein aus migrantischer Perspektive“ anschließend Austausch über anti-asiatischen Rassismus 

📅 Wann: 20. Juni 2026 
📍 Wo: Heinrich-Böll-Bibliothek, Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin 

Am 20. Juni fand die Veranstaltung „Sehen, was öfters übersehen wird“ statt. Als multiformatige Veranstaltung bot sie den Teilnehmenden nahbare Einblicke in migrantische Lebensrealitäten, einen Impuls zum Thema Anti-asiatischer Rassismus sowie Raum für Austausch darüber, wie sich Menschen in dieser Migrationsgesellschaft fühlen.

 

Partizipativ und mittendrin 

Gegen Ende der Ausstellungszeit in der Heinrich-Böll-Bibliothek gab es nochmals die Möglichkeit, im Rahmen eines interaktiven und multimedialen Rundgangs die Erzählungen der Photovoice-Ausstellung „Wie fühlen wir uns in der Migrationsgesellschaft wohl? Muttersein aus migrantischer Perspektive“ zu vertiefen. Die Themen boten vielfältige Anknüpfungspunkte – unabhängig davon, ob Teilnehmende selbst Eltern sind oder nicht. Fragen von Zugehörigkeit, Teilhabe und Diskriminierung betreffen uns alle in dieser Migrationsgesellschaft.  

Im Rundgang wurden neben der Forschungsmethode Photovoice, den Co-Forscherinnen und den Ausstellungsthemen auch zentrale Begriffe wie „Migrationsgesellschaft“ erläutert. Gemeinsam wurden die Themengruppen durchgegangen, die Erzählungen der Co-Forscherinnen eingeordnet und teilweise in Audioform abgespielt, was eine lebendige Atmosphäre schuf. 

 


Augen offenhalten – Impuls zu Anti-asiatischem Rassismus 

Ganz nach dem Motto „Sehen, was öfters übersehen wird“ wurde eine Form von Rassismus in den Fokus gerückt, die häufig wenig Beachtung findet: Anti-asiatischer Rassismus. In einem Impulsvortrag wurde erläutert, was darunter zu verstehen ist, wie er historisch und gesellschaftlich einzuordnen ist und wie er sich im Alltag Betroffener zeigt. 

 

Viel gesehen, viel gehört und viele Gedanken 

Im Anschluss an Rundgang und Vortrag wurde der Raum für Gedanken, Emotionen und Fragen der Teilnehmenden geöffnet. So konnten Eindrücke gemeinsam reflektiert und besprochen werden. 

Eine teilnehmende Person merkte an, dass Eltern es oft schwerer haben, sich Institutionen zu entziehen und in sichere Räume zurückzuziehen, da sie durch ihre Kinder stärker in Kontakt mit z.B. Kitas, Schulen oder Ärzt*innen stehen. 

Ein weiterer Teilnehmer stellte fest, dass viele der geschilderten Erfahrungen denen seiner migrantischen Eltern sowie seiner eigenen Kindheit ähneln. Die bildhaften und persönlichen Erzählungen der Photovoice-Ausstellung konnte er daher gut nachvollziehen. 

Auch ohne ähnliche Lebensrealität entstand Verständnis: Ein Teilnehmer mit Deutsch als Erstsprache berichtete, dass ihn besonders die Erzählung von einer Co-Forscherin beschäftigte. Sie schildert darin, wie ihr eine Lehrerin rät, zu Hause nicht mehr ihre Erstsprache Spanisch zu sprechen, damit ihr Kind besser Deutsch lernt. Im Rundgang wurde ergänzt, wie wichtig die Erstsprache für Identitätsbildung und emotionale Entwicklung der Kinder ist. Der Teilnehmer, der in einer Schule arbeitet, berichtete zudem von der Frustration vieler Lehrkräfte im Umgang mit Kindern mit Migrationsgeschichte, die noch nicht sicher Deutsch sprechen. 

Gleichzeitig wurde diskutiert, wie schwer es im Alltag oft fällt, mit Menschen außerhalb der eigenen Lebensrealität und Perspektive in Kontakt zu kommen. Viele Teilnehmende stellten fest, dass sie sich eher in vertrauten Gruppen bewegen, auch aus Sorge vor möglichen Diskriminierungserfahrungen. Zudem wurde angemerkt, dass außerhalb von Schule oder bestimmten beruflichen Kontexten oft wenig Begegnung mit unterschiedlichen Lebensrealitäten stattfindet. 

Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass es mehr Begegnungsräume braucht, ebenso wie Empowerment marginalisierter Personen und eine stärkere Sensibilisierung für Diskriminierung. So können unsichtbare Erfahrungen sichtbarer gemacht und im Alltag leichter angesprochen werden. 


Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als  Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.

Ein Projekt von



Geschäftsbüro:

Schivelbeiner Str. 6, 10439 Berlin

 

Beratungsbüro:

Trautenaustraße 5, 10717 Berlin

2. Etage im Pangea-Haus

 

Tel. 030 28 69 87 95 (Geschäftsbüro)

 

E-Mail. [email protected]

VereinsregisterNr. : VR 34541 B