📅 Wann: Samstag, den 18. Oktober 2025 von 14:00 bis 16:00 Uhr
📍Wo: Schivelbeiner Straße 6, 10439 Berlin, GePGeMi e.V.
„[O]bwohl ich schon so lange [in Deutschland] bin, [...]ist diese kleine Einsamkeit oder diese Lücke, die man in sich spürt, wenn man plötzlich nicht mehr diese Feste oder Gebräuche weiter feiern kann oder [...] ” (Angela, Photovoice 2023, S. 23)
Wie bedeutsam vielfältige Festlichkeiten in einer Migrationsgesellschaft sind, wurde im Vielfaltscafé am 18. Oktober deutlich.
Mit dieser Veranstaltung begann zugleich eine neue Phase des Formats: Ab sofort findet das Vielfaltscafé regelmäßig einmal im Monat im Anschluss an den
Brunch Talk statt. Dabei möchten wir den Raum so offen wie möglich gestalten – als einen Ort, an dem nicht nur unsere regelmäßigen
Teilnehmenden, sondern auch ihre Freund*innen, Passant*innen, Neugierige und Spontaninteressierte willkommen sind, hereinzuschauen, mitzumachen und miteinander
ins Gespräch zu kommen. Denn es braucht regelmäßige und niedrigschwellige Gelegenheiten, um Menschen aus unterschiedlichen Gruppen zu begegnen
und sich auszutauschen. Genau das möchte das Vielfaltscafé ermöglichen.
Und das hat unglaublich gut geklappt: Viele unserer Teilnehmenden brachten Freund*innen und Bekannte mit. Einige Passant*innen schauten neugierig vorbei und
manche erkannten zufällig bekannte Gesichter wieder und blieben spontan. So entstand eine große Runde aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven und
Lebensrealitäten. Gemeinsam teilten sie ihre Erfahrungen, tauschten sich bei Mondkuchen und anderen Köstlichkeiten aus und hatten eine gute Zeit
zusammen.
Bei der gemeinsamen Zubereitung ins Gespräch kommen
Wie es bei Festlichkeiten so üblich ist, begannen wir gemeinsam mit den Vorbereitungen des großen Buffets. Es gab mehrere Stationen: Mondkuchen* formen, Tangyuan** zubereiten
sowie Obst schneiden. Über den ganzen Raum verteilt konnten alle einmal alles ausprobieren, beobachten und miteinander ins Gespräch kommen. So entstand schon während der Zubereitung eine
lebendige und offene Atmosphäre.
Dabei kam das Thema Festlichkeiten und ihre Bedeutung in einer vielfältigen Migrationsgesellschaft nicht zu kurz: Wer zwischendurch eine Pause einlegte und seinen Kaffee oder Tee
genießen wollte, konnte in die Photovoice-Broschüren von GePGeMi e.V. hineinschauen. Darin fanden sich weitere Perspektiven unserer Co-Forschenden zum Thema
Feste und Zugehörigkeit. Viele erkannten Parallelen zu ihren eigenen Erfahrungen oder gewannen neue Eindrücke.
* Mondkuchen ist ein Gebäckstück mit süßer oder herzhafter Füllung, welches traditionell zum Mondfest serviert wird. Das Mondfest ist ein Familienfest und
richtet sich nach dem Mondkalender.
**Tangyuan ist ein chinesisches Dessert aus Klebreis, das zu Kugeln geformt und in heißer Brühe oder Sirup serviert wird. Tangyuan wird zum Mondneujahrsfest
gegessen.
Unterschiedliche Feste, viele Gemeinsamkeiten
Nach der Buffeteröffnung erzählten die Teilnehmenden von den Festen, die sie feiern, und davon, welche Bedeutung diese für sie persönlich haben. Dabei zeigte sich eine beeindruckende
Vielfalt an Festlichkeiten, die unsere Teilnehmenden feiern, u.a. Ramadan, Thanksgiving, ungarische Osterbräuche, die Bedeutung von Halloween für philippinische Familien, das
chinesische Mondfest, aber auch Friendsgiving. Dennoch wurde deutlich, dass – so unterschiedlich die Feste auch sind – Zusammenkommen, Zusammenhalt und Zugehörigkeit überall eine
zentrale Rolle spielen.
Die emotionale Tiefe von Festlichkeiten in einer Migrationsgesellschaft wurde in den Erzählungen der Teilnehmenden besonders deutlich. Viele der Teilnehmenden haben selbst Migrationserfahrung
oder sind in Familien mit Migrationsgeschichte aufgewachsen. Einige erzählten, dass sie, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen sind, andere Feste gefeiert haben und sich dadurch manchmal weniger
zugehörig fühlten. Andere berichteten, wie sie durch kleine Gesten und Einladungen zu Feierlichkeiten neue Feste kennengelernt, wertgeschätzt und neue Bekanntschaften geschlossen haben. Der
Austausch darüber half ein Verständnis füreinander und die unterschiedlichen Perspektiven aufzubauen.
Feste als Brücken
Festlichkeiten können bestehende soziale Beziehungen stärken, die im Alltag manchmal zu kurz kommen. Gleichzeitig schaffen sie Raum für neue Begegnungen und Verbindungen. Gemeinsam kamen wir zu dem Schluss, dass wir auch neue Feste feiern können: Feste, die Vielfalt selbst feiern.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
Ein Projekt von