#9 Netzwerktreffen „Brunch Talk“
Von Einzelerfahrungen zur gemeinsamen Geschichte
📅 Wann: Samstag, den 15. November
2025 von 11:00 bis 14:00 Uhr
📍 Wo: Berlin – Schivelbeiner Straße 6, 10439 Berlin, Geschäftsstelle GePGeMi e.V.
Hamburg – Eifflerstraße 43, 22769 Hamburg, Haus des Engagements
Bundesweit – Online-Teilnahme
Am 15. November fand der 9. Brunch Talk parallel in Berlin mit bundesweiter Online-Teilnahme sowie in Hamburg in Präsenz statt. An beiden Orten kamen asiatische Migrant*innen der 1. Generation zusammen, um ihre Erfahrungen zu teilen und ihre eigenen Geschichten jenseits äußerer Zuschreibungen sichtbar zu machen. Die Treffen boten einen geschützten Raum, in dem persönliche Erlebnisse aus Alltag, Arbeit und Familie sowie Erfahrungen im Kontext von Geschlechterrollen und Migration zur Sprache kamen.
Berlin – Feminismus in Asien
In Berlin stand das Thema (Queer)Feminismus in Asien im Mittelpunkt. Ausgehend von der Frage, was es bedeutet, als Mädchen* in Ländern wie China, Japan, Korea, Indonesien oder
Vietnam aufzuwachsen, wurden Erfahrungen über Geschlechterrollen, familiäre Erwartungen und gesellschaftliche Normen geteilt.
Eine Teilnehmerin eröffnete den weiteren Austausch mit einer persönlichen Geschichte dazu, wie sie Zugang zu feministischen und queeren Perspektiven gefunden hat. Anschließend sammelten die
Teilnehmenden in einer gemeinsamen Übung Erinnerungen aus verschiedenen Lebensphasen – mit der Leitfrage, ab wann sie ungleiche gesellschaftliche Positionierungen und Zuschreibungen
gegenüber Frauen* bewusst wahrgenommen haben und welche Erfahrungen, Gefühle und Gedanken sie damit verbinden. Aus diesen einzelnen Erinnerungen entstand ein kollektives Bild, das die
geteilten Erfahrungen von Frauen* mit asiatischer Migrationsgeschichte sichtbar machte.
* Das Sternchen in Mädchen*/ Frauen* weist daraufhin, dass damit nicht nur cis-Mädchen/Frauen (also bei der Geburt als weiblich eingeordnete und sich auch so identifizierende Personen) gemeint sind, sondern auch auf andere Menschen, die sich als Mädchen/Frauen identifizieren oder angesprochen fühlen.
In Hamburg drehte sich der Brunch Talk um Erfahrungen im Berufsleben. Die Teilnehmer*innen sprachen darüber, wie äußere Erwartungen und Stereotype gegenüber asiatisch gelesenen Menschen
ihren Arbeitsalltag prägen – etwa das Bild der stets fleißigen, ruhigen und unauffälligen „Vorzeigeminderheit“. Diese Zuschreibungen wurden als Teil des sogenannten
„Model-Minority-Mythos“ eingeordnet, der asiatischen Personen pauschal hohe Leistungsbereitschaft und Angepasstheit zuschreibt und dabei strukturelle Ungleichheiten ausblendet.
Zugleich wurde thematisiert, dass die Deutungshoheit darüber, was als „Leistung“ und „Erfolg“ gilt, in der Dominanzgesellschaft verankert ist. So entsteht der Eindruck, Anerkennung nur dann zu
verdienen, wenn man genau diesen normativen Erwartungen entspricht.
Anhand von Beispielen und Daten wurde besprochen, wie sich diese Erfahrungen auf individueller Ebene, in Organisationen und in Strukturen zeigen. Gleichzeitig machten die Teilnehmer*innen
praktische Übungen dazu, wie sie ihre eigenen Kompetenzen wahrnehmen und anerkennen können – und wie sie jenseits dieser Zuschreibungen ihren Handlungsspielraum im Beruf erweitern können.
Auch wenn die Themen in Berlin und Hamburg unterschiedlich waren, zeigte sich ein gemeinsamer Kern: Beide Treffen verdeutlichten, wie Zuschreibungen gegenüber asiatischen Frauen* und Menschen
wirken – im Alltag, im Berufsleben, in zwischenmenschlichen Beziehungen und auf struktureller Ebene.
Gleichzeitig wurde sichtbar, wie wichtig Räume sind, in denen Erfahrungen ausgesprochen, gehört und ernst genommen werden. Brunch Talk schafft genau solche Räume: Hier werden Geschichten
sichtbar, die im öffentlichen Diskurs häufig übersehen werden, und es entsteht Raum, kollektive Narrative asiatischer Migrant*innen zu entwickeln und langfristig zu stärken.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
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