Vielfaltscafé: Vielfalt in der Lunchbox

📅 Wann: Samstag, den 07. März 2026 von 14:30 bis 16:30 Uhr
📍 Wo: Schivelbeiner Straße 6, 10439 Berlin, GePGeMi e.V.

Sie mag unscheinbar erscheinen, aber für viele bringt sie eine kleine Freude in den Alltag: die Lunchbox. Essen ist etwas sehr Persönliches und mit der Lunchbox nimmt man dieses Stück Zuhause mit hinaus, sei es in die Schule, zur Arbeit oder in den Park. 

Am 11. April 2026 haben wir im Vielfaltscafé über die Vielfalt in der Lunchbox gesprochen und darüber, welche Erfahrungen und Erinnerungen damit verbunden sind. Passend dazu wurden diesmal gemeinsam Onigiri zubereitet. 

Wie stark eine Lunchbox und schon allein der Begriff „Brotdose“ mit Erinnerungen und Erfahrungen aufgeladen sind, zeigen zwei Erzählungen aus der Photovoice-Dokumentation eindrucksvoll. Während die Teilnehmenden des Vielfaltscafés die einzelnen Komponenten der Onigiri vorbereiteten und später formten, entstand ein stimmungsvoller Raum, der zu einem offenen und lebendigen Austausch einlud. Die Erzählungen der Photovoice-Dokumentation regten nicht nur zum Nachdenken an, sondern weckten auch Emotionen – sei es durch eigene Erlebnisse oder durch Erfahrungen, die die Teilnehmenden so nicht erwartet hatten. 

Was es heißt, eine Brotdose mitzubringen 

Zwar wurde auch viel über den Inhalt einer Lunchbox gesprochen, jedoch fängt es schon beim Verständnis an. Angela erzählt in der Photovoice-Dokumentation von einer Situation, in der Eltern aufgefordert wurden, ihren Kindern eine Brotdose mitzugeben. Ein Kind brachte daraufhin jedoch lediglich eine leere Brotdose mit. Sie beschreibt, dass auf Seiten der Pädagog*innen mit Unverständnis, Frustration und Abwertung reagiert wurde. 

Diese Geschichte macht deutlich, wie wichtig ein Perspektivwechsel ist. Was für die einen selbstverständlich erscheint, wie z.B. bestimmte Begriffe oder Abläufe, ist für andere nicht unbedingt eindeutig. Missverständnisse können passieren. Entscheidend ist jedoch, wie damit umgegangen wird. 

Die Erzählung überraschte einige Teilnehmende des Vielfaltscafés, da sie ein solches Verhalten von Pädagog*innen nicht erwartet hätten. Andere wiederum konnten sich die Situation gut vorstellen, da sie selbst ähnliche oder sogar belastendere Erfahrungen gemacht hatten. 

Vielfalt in der Lunchbox, die man riechen kann 

Eine Erzählung von Eun Joo aus der Photovoice-Dokumentation berichtet davon, dass ihr Kind von einer Lehrerin darauf hingewiesen wurde, sein Essen nicht im Flur zu essen, da es „stinken“ würde. 

Einige asiatische Teilnehmende konnten diese Erfahrung gut nachempfinden, da sie ähnliche Situationen bereits selbst erlebt hatten. Sie wiesen darauf hin, dass solche Aussagen oft auf dem Vorurteil beruhen, „asiatisches“ Essen würde besonders streng riechen. 

Es entstand ein intensiver Austausch darüber, wie Essen auch als Mittel sozialer Ab- und Ausgrenzung genutzt werden kann, etwa indem bestimmte Gerüche als unangenehm bewertet und damit abgewertet werden. 

Lunchbox als Form der Entfaltung in einer Migrationsgesellschaft 

Im Austausch über das bestehende Vorurteil gegenüber Gerüchen der „asiatischen“ Küche wurde in der Runde immer wieder betont, dass auch andere Küchen – darunter auch die deutsche – intensiv riechen können. Dabei stellte sich einigen Teilnehmenden die Frage, was eigentlich gemeint ist, wenn gesagt wird, dass Essen „stinkt“ oder wenn jemand gebeten wird, es nicht an einem bestimmten Ort zu essen. Kann es dabei sein, dass dies nicht zwingend ausgrenzend gemeint ist, sondern auch einfach darauf zurückgeht, dass ein Geruch als intensiv oder störend wahrgenommen wird? 

In diesem Zusammenhang fiel eine besonders wichtige Aussage: Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte ist die Möglichkeit, das Essen aus ihrer Kindheit und ihrem Zuhause frei essen zu können, von großer Bedeutung. Es ist eine Form der Entfaltung – eine Möglichkeit, sie selbst zu sein. Essen kann ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln, das im Alltag nicht immer selbstverständlich ist. Wenn Menschen darin eingeschränkt werden, was sie essen dürfen, wird ihnen mehr genommen als nur eine Mahlzeit. 

Am Ende zeigt sich: Eine Lunchbox ist weit mehr als ein Behälter für Essen. Sie trägt Erinnerungen, Zugehörigkeit und Identität in sich. Wer das erkennt und bereit ist, die Perspektive zu wechseln, schafft Raum für ein respektvolleres und offeneres Miteinander. 


Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als  Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.

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