📅 Wann: Samstag, den 09. Mai 2026 von 14:30 bis 16:30 Uhr
📍 Wo: Schivelbeiner Straße 6, 10439 Berlin, GePGeMi e.V.
Das Zusammenleben – besonders in einer vielfältigen Gesellschaft – lebt von Fürsorge. Sie zeigt sich in kleinen alltäglichen Gesten ebenso wie in gegenseitiger Unterstützung in schwierigen
Situationen. Fürsorge verbindet Menschen. Welche Rolle Fürsorge in einer Migrationsgesellschaft spielt und wie unterschiedlich sie aussehen kann, darüber tauschten sich die Teilnehmenden beim
Vielfaltscafé im Mai aus.
Ganz nach dem Prinzip des Vielfaltscafés, wurde auch diesmal gemeinsam gekocht: Auf dem Speiseplan stand Kkakdugi mit Reis. Während Kohlrabi gewürfelt sowie Knoblauch und Frühlingszwiebeln
vorbereitet wurden, kamen die Teilnehmenden ins Gespräch und näherten sich dem Thema ganz praktisch und persönlich an.
Einen ersten Impuls gaben zwei Erzählungen aus der Photovoice-Dokumentation. Die Co-Forscherin Jinyi sprach darüber, welche Bedeutung Fürsorge in einer Migrationsgesellschaft für sie hat und wie
eng sie mit Verantwortung, Belastung und Zusammenhalt verbunden ist. Ein anderer Co-Forscher, Yoji, berichtete von seinen Erfahrungen in einer schwulen Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder sich
seit den 1980er Jahren gegenseitig unterstützen und bis heute miteinander verbunden sind.
Raum für (Selbst-)Fürsorge
Die Beiträge regten eine intensive Diskussion an. Viele Teilnehmende sprachen darüber, wie herausfordernd es sein kann, gleichzeitig für andere da zu sein und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Besonders Menschen mit Migrationserfahrung tragen oft vielfältige Verantwortung und Herausforderungen, wie z.B. sich über Landesgrenzen hinweg, um Familienangehörige zu sorgen. Die Balance zwischen Fürsorge für andere und Selbstfürsorge zu finden, ist dabei nicht immer leicht. Im Austausch wurde jedoch deutlich, dass Selbstfürsorge ein wichtiger Teil der Fürsorge für andere ist und gerade nach einer Migration besondere Bedeutung gewinnt.
Fürsorge schweißt zusammen
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Fürsorge Menschen zusammenbringen kann. Yoji erzählte, wie wichtig die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Selbsthilfegruppe war, um mit gesellschaftlicher Ausgrenzung umgehen zu können. Auch eine Teilnehmerin berichtete, dass sie ihre heutige beste Freundin in einer Situation kennengelernt habe, in der beide Diskriminierung erfuhren. Sie haben sich daraufhin gegenseitig angesprochen. Aus dem gemeinsamen Erleben entstand Solidarität und daraus eine enge Freundschaft.
Verantwortung und Gemeinsamkeit in der Vielfalt
Im Verlauf des Vielfaltscafés wurde immer wieder darüber gesprochen, wann aus zunächst fremden Menschen wichtige Bezugspersonen oder sogar Wahlfamilien werden. Dabei zeigte sich, dass Fürsorge
oft dort entsteht, wo Menschen einander zuhören, unterstützen und Verantwortung füreinander übernehmen. Wenn wir uns stärker auf Gemeinsamkeiten statt auf Unterschiede konzentrieren, wird
deutlich, wie verbindend gegenseitige Fürsorge sein kann - selbst zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten.
Besonders eindrücklich war die Geschichte einer Teilnehmerin über ihre ältere Nachbarin, zu der sie kaum Kontakt hat und bei der sie sich aufgrund wiederkehrender unangenehmer Blicke nicht
wohlfühlt. Als diese in eine Notsituation geriet, half sie ihr selbstverständlich. Für sie stand fest: „Denn wir werden alle mal alt und brauchen Unterstützung.“
Der Austausch im Vielfaltscafé machte damit einmal mehr deutlich, wie wichtig Fürsorge für den Zusammenhalt in einer vielfältigen Migrationsgesellschaft ist. Gerade dort, wo Menschen mit
unterschiedlichen Erfahrungen, Lebensrealitäten und Herausforderungen zusammenkommen, entstehen Vertrauen und Gemeinschaft durch gegenseitige Unterstützung, Offenheit und Verantwortung
füreinander.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
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