📅 Wann: Samstag, den 06. Juni 2026 von 14:30 bis 16:30 Uhr
📍 Wo: C-Space, Langhansstraße 86, 13086 Berlin
Der Sommer ist endlich da! Während wir unsere Kleidung und Aktivitäten dem Wetter anpassen, öffnete das Vielfaltscafé wieder seine Türen und lud dazu ein, darüber nachzudenken, wie Anpassung in
einer Migrationsgesellschaft aussieht und von wem sie erwartet wird. Wie viel Anpassung ist notwendig, um sich zurechtzufinden, dazuzugehören oder verstanden zu werden?
Wie immer bot das Vielfaltscafé mit der gemeinsamen Zubereitung eines Gerichts eine niedrigschwellige Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Dieses Mal bereiteten
wir gemeinsam Daifuku zu: kleine japanische Reiskuchen aus Klebreismehl, gefüllt mit Früchten wie Erdbeeren, Kiwi oder Trauben.
Anpassung – zwischen Erwartungen von sich selbst und anderen
Obwohl Anpassung ein alltäglicher Prozess im Zusammenleben, in Begegnungen und beim Zurechtfinden in neuen Situationen ist, wird sie in einer Migrationsgesellschaft besonders sichtbar und häufig
einseitig diskutiert. Deshalb stellten wir uns die Frage: Von wem wird Anpassung erwartet und von wem weniger?
Als Gesprächsimpuls diente die Erzählung der Co-Forscherin Hằng aus der Photovoice-Dokumentation. Sie berichtet von ihren ersten Jahren in Deutschland, geprägt von Missverständnissen und
Unsicherheiten. Neben sprachlichen Hürden ging es auch um alltägliche Regeln und Verhaltensweisen. Besonders irritierend war für sie, dass Menschen, die in Deutschland sozialisiert sind, ihr
diese oft nicht erklärten.
Ein Teilnehmer ohne Migrationsgeschichte stimmte zu und betonte, dass häufig erwartet werde, dass Migrant*innen sich anpassen, während zugleich wenig Geduld für Erklärungen vorhanden sei. Eine
andere Teilnehmerin schilderte ähnliche Erfahrungen. Im Alltag erlebe sie häufig ungeduldige Reaktionen auf Fragen oder Verhalten, während sie sich noch in der deutschen Sprache orientiere. Dies
verstärke ihre Verunsicherung und die Frage, ob sie richtig verstanden wurde oder selbst alles richtig verstanden hat.
Die Teilnehmenden diskutierten, dass Anpassung oft einseitig gedacht wird: Von Menschen mit Migrationsgeschichte wird erwartet, sich anzupassen, während weniger reflektiert wird, inwiefern auch
die Mehrheitsgesellschaft ihre Kommunikation und ihren Umgang mit Vielfalt anpassen könnte.
Wer passt sich wem an?
Die Erzählung des Co-Forschers Yoji zeigte zugleich, dass Anpassung keine Einbahnstraße ist. Er berichtete in der Photovoice-Dokumentation (Stand: 2022) von der Entstehung des Thaiparks im
Preußenpark* in Charlottenburg-Wilmersdorf. Aus einem Treffpunkt der thailändischen Community entwickelte sich ein offener Ort des Teilens, der heute als Thaipark bekannt ist.
Darauf aufbauend diskutierten die Teilnehmenden, dass sich auch die Gesellschaft an Menschen und ihre Bedürfnisse anpasst. Eine Teilnehmerin aus der türkischen Community erzählte, dass sich die
Nutzung öffentlicher Räume stark verändert habe. Sie beschrieb, wie die türkische Community schon lange gemeinsam in Parks mit Bierbänken, Campingstühlen und großen Mengen Essen zusammenkam und
dieses mit anderen teilte. Heute ist dies ein fester Bestandteil des Zusammenlebens in der Stadt.
Für eine Teilnehmerin, die erst vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen ist, war dies eine wichtige Erkenntnis: Sie hatte bisher vor allem den Druck wahrgenommen, sich selbst anzupassen.
Dass Anpassung auch in die andere Richtung wirkt, war ihr zuvor nicht bewusst.
*Der “Thaipark” ist 2024 umgezogen.
Anpassung in der Migrationsgesellschaft – ein ständiger Prozess
Im Vielfaltscafé wurde darüber gesprochen, wie sich Deutschland über die Jahre zu einer Migrationsgesellschaft entwickelt hat und welche Herausforderungen damit verbunden sind. Dabei wurde
deutlich, dass das Thema Anpassung in gesellschaftlichen Debatten seit vielen Jahren präsent ist.
Die Gespräche machten auch deutlich, dass Anpassung im Austausch entsteht. Sie bedeutet nicht, die eigene Identität aufzugeben, sondern Wege zu finden, wie unterschiedliche Lebensweisen
nebeneinander bestehen und gemeinsam weiterentwickelt werden können. Eine vielfältige Migrationsgesellschaft lebt davon, dass nicht nur Einzelne sich anpassen, sondern auch Strukturen,
Kommunikation und gesellschaftlicher Umgang offen für Veränderung bleiben.
Wir danken zudem dem C-Space, das uns mit seinen Räumlichkeiten einen Ort der Begegnung ermöglicht hat.
Das Projekt "Vielfalt im Dialog mit EBAV" wird als Innovationsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Zudem wird es von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen von „Demokratie. Vielfalt. Respekt.“, dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, kofinanziert.
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