Infoverantaltung am 1. Juli 2026
📅 Am 1. Juli 2026
📍 Hallesches Ufer 30A, 10963 Berlin (AWO
Landesverband Berlin)
Seniorenvertretung 2027: Mitreden, mitgestalten – auch ohne deutschen Pass!
Senior*innen und Multiplikator*innen aus mehr als zehn Communities in Berlin kamen am 1. Juli 2026 im Rahmen der Berliner Seniorenwoche zu unserer
Informationsveranstaltung „Seniorenvertretung 2027: Mitreden, mitgestalten – auch ohne deutschen Pass!“ zusammen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von GePGeMi e.V. und FaMiPA
organisiert.
Viele Menschen mit Migrationsgeschichte wissen nicht, dass sie in Berlin nicht nur die Seniorenvertretung wählen, sondern auch selbst kandidieren können –
unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Mit der Veranstaltung wollten wir informieren, Barrieren abbauen und Senior*innen mit Migrationsgeschichte ermutigen, ihre Interessen
künftig selbst in die Seniorenvertretungen einzubringen.
Seniorenvertretung – ein besonderes Teilhaberecht in Berlin
Zum Auftakt sprach Ülker Radziwill (SPD), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Landesvorsitzende des AWO Landesverbandes Berlin, über die
Bedeutung der Seniorenvertretungen und die Entstehung des Berliner Seniorenmitwirkungsgesetzes.
Berlin nimmt hier bundesweit eine Vorreiterrolle ein: Menschen ab 60 Jahren können an den Wahlen der Seniorenvertretungen teilnehmen und kandidieren – auch ohne
deutschen Pass. Damit eröffnet das Seniorenmitwirkungsgesetz vielen älteren Menschen mit Migrationsgeschichte die Möglichkeit, ihre Interessen aktiv in Politik und Verwaltung
einzubringen.
Im anschließenden Gespräch wurde auch kritisch diskutiert, welche Rahmenbedingungen ehrenamtliches Engagement braucht. Eine Teilnehmerin machte darauf aufmerksam,
dass sich nicht alle Senior*innen ein Ehrenamt leisten können, und regte zumindest eine Kostenübernahme für den öffentlichen Nahverkehr als Aufwandentschädigung an. Ülker Radziwill erläuterte die
rechtlichen und finanziellen Herausforderungen einer solchen Regelung sowie die Frage, wie eine solche Unterstützung im Verhältnis zu anderen Ehrenämtern ausgestaltet werden
könnte.
Deutlich wurde, dass die Frage einer angemessenen Unterstützung für ehrenamtlich engagierte Seniorenvertreter*innen weiterhin politisch diskutiert werden muss. Die
Diskussion zeigte zugleich: Politische Teilhabe bedeutet auch, strukturelle Barrieren sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Wie funktioniert die Seniorenvertretung?
Im zweiten Teil der Veranstaltung erklärte Simone Koschewa (FaMiPA), wie die Berliner Seniorenvertretungen arbeiten und wie eine Kandidatur
abläuft.
Die Seniorenvertretungen vertreten die Interessen aller Menschen ab 60 Jahren gegenüber Politik und Verwaltung, beraten Senior*innen bei ihren Anliegen, bringen
seniorenpolitische Themen in die Bezirke ein und arbeiten in zahlreichen Gremien mit.
Wahlvorschläge für die Kandidatur können vom 4. September bis 2. Oktober 2026 eingereicht werden. Gewählt wird anschließend in der
Wahlwoche vom 5. bis 12. März 2027.
Die Teilnehmenden erhielten praktische Informationen zum Ablauf der Kandidatur, zu den erforderlichen Unterlagen sowie zu den öffentlichen
Vorstellungsveranstaltungen der Kandidat*innen.
FaMiPA und GePGeMi e.V. begleiten interessierte Senior*innen Schritt für Schritt – von den ersten Fragen über die Kandidatur bis hin zum Einstieg in das
Ehrenamt.
Erfahrungsberichte, die Mut machen
Ein besonderer Höhepunkt waren die persönlichen Erfahrungen von Kyung Jarman, Seniorenvertreterin in Friedrichshain-Kreuzberg, und Altun
Akturk, die sich seit rund zwanzig Jahren in der Seniorenvertretung Neukölln engagiert.
Kyung Jarman berichtete offen von ihren ersten Jahren als einzige Seniorenvertreterin mit Migrationsgeschichte in ihrem Bezirk. Sprachliche Unsicherheiten und das
Gefühl, nicht ausreichend gehört zu werden, begleiteten sie zunächst. Dennoch blieb sie ihrem Ziel treu, brachte sich immer wieder ein und gewann mit der Zeit die Anerkennung ihrer Kolleg*innen
sowie wichtiger Akteur*innen im Bezirk. Ihr größter Erfolg sei, so Kyung Jarman, die asiatische Community ein Stück sichtbarer gemacht zu haben.
Altun Akturk schilderte ihre langjährige Erfahrung in der Seniorenvertretung Neukölln. Besonders die Altersarmut vieler Senior*innen beschäftigte sie während ihrer
Amtszeit. Auch wenn politische Veränderungen oft Zeit brauchen, gab sie nicht auf und brachte die Anliegen älterer Menschen immer wieder in politische Diskussionen ein.
Die persönlichen Erfahrungsberichte machten deutlich: Der Weg in die Seniorenvertretung ist nicht immer einfach. Doch wer seine Perspektiven und Erfahrungen
einbringt, kann etwas bewegen – für sich selbst, für die eigene Community und für viele andere ältere Menschen.
Empowerment endet nicht mit der Kandidatur
Anschließend berichtete Chi Vu von GePGeMi e.V. über die Begleitung von Kyung Jarman – von der Entscheidung zur Kandidatur über die Erstellung des
Vorstellungsvideos und des Kandidaturtextes bis hin zur Unterstützung während ihrer Amtszeit.
Erfolgreiche Teilhabe endet nicht mit der Entscheidung zu kandidieren. Sie braucht auch Begleitung, Austausch und gegenseitige Ermutigung. Deshalb begleitet GePGeMi
zukünftige Kandidat*innen mit Migrationsgeschichte im Projekt „SilberAkademie mit SeMi – migrationssensibel und barrierefrei“ auch über die Kandidatur hinaus.
Zu diesem Angebot gehören Informationsveranstaltungen, Vernetzungsmöglichkeiten, Austauschrunden sowie ein Empowerment- und Kommunikationstraining,
das Kandidat*innen dabei unterstützt, ihre Anliegen selbstbewusst zu vertreten und sich auf öffentliche Vorstellungsveranstaltungen vorzubereiten.
Erste Kandidaturen bereits in Sicht
Zum Abschluss tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, ob eine Kandidatur für sie infrage kommt. Bereits während der Veranstaltung äußerten vier Senior*innen
ernsthaftes Interesse an einer Kandidatur.
Ihre Beweggründe waren unterschiedlich – eines verband sie jedoch alle: Sie wünschen sich, dass die Stimmen von Senior*innen mit Migrationsgeschichte in den
Berliner Bezirken künftig stärker gehört werden.
Auch anwesende Seniorenvertreter*innen ermutigten die Teilnehmenden, den Schritt zu wagen. Sie machten deutlich, dass die Arbeit in der Seniorenvertretung zwar
Verantwortung mit sich bringt, aber niemand verpflichtet ist, die gesamte Amtszeit zu absolvieren. Gleichzeitig betonten sie, wie wichtig jede einzelne engagierte Person ist, damit die Interessen
älterer Menschen wirksam vertreten werden können.
Die Veranstaltung hat gezeigt: Teilhabe beginnt mit Information, wächst durch gegenseitige Ermutigung und wird lebendig, wenn Menschen ihre Erfahrungen und Anliegen
selbst einbringen. Dass sich bereits vier Senior*innen eine Kandidatur vorstellen können, ist für uns ein ermutigendes Zeichen.
Wir freuen uns darauf, sie und viele weitere Senior*innen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg zur Kandidatur und in ihrem ehrenamtlichen Engagement zu
begleiten.
Gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms.