Asiat*innen sind keine Viren!

-Stellungnahme-

Askold Hitzler, am 03.02.2020

-Vorstandsmitglied von GePGeMi- 

 

Die Angst vor einer Pandemie durch das Corona-Virus ist weit verbreitet, nicht zuletzt auch wegen reißerischer Aufmachungen und Fehlinformationen in zahlreichen Medien.

 

Das Problem dabei: Es betrifft Menschen, die ihrem Aussehen nach als potentielle Krankheitsüberträger verdächtigt werden – Asiat*innen. Wer asiatisch aussieht darf sich momentan in Deutschland fragen lassen, ob sie/er aus China komme. Wenn Ja - dann gefährlich, wenn Nein - dann auch.

 

Was ist das für eine Zuschreibung, eine Menschengruppe, die hier lebt, als potentielle Keimüberträger zu verdächtigen? In Frankreich ist vom „Gelben Alarm“ die Rede, der Spiegel in Deutschland hat in seiner aktuellen Ausgabe den Titel „Die Seuche aus China“. Das schürt Angst – und zwar gegen eine Menschengruppe.

 

GePGeMi weist seit langem auf die Diskriminierung von Asiat*innen hin, die in Deutschland wenig wahrgenommen wurde (vgl. Umfrageergebnisse auf dieser Seite). Jetzt ist sie offensichtlich.

 

Es fängt mit einer Frage nach der Herkunft an und endet, wie dieses Wochenende, mit Gewalt gegen eine Chinesin in Berlin-Moabit. Allein die Tatsache, dass sie Chinesin ist, reichte aus, sie mitten am Tag zusammenzuschlagen.

 

Wer schlägt einen Menschen, bei der sie/er sich anstecken könnte? Wahrscheinlich niemand. Daher ist die Ansteckungsgefahr durch Asiat*innen offenbar ein Vorwand, um die Gewalt - sei sie körperlich, sozial oder psychisch - ausleben zu können.

 

Wer ist schuld an der Diskriminierung? Die Medien, die Rassisten oder unsere Angst vor einer Gefahr, die wir nicht kennen? Viele Medien legen ideologisch Feuer, indem sie z.B. fremden, ‚unreinen‘ Essgewohnheiten die Schuld an der Ausbreitung des neuen Virus geben. Vorurteile von Rassisten werden in die Mitte der Gesellschaft getragen. Und wir alle lassen uns das bieten – weil wir schweigen.

 

Wer Asiat*innen beschuldigt, den Corona-Virus zu verbreiten, macht sich des Alltagsrassismus schuldig. Wer dazu schweigt, unterstützt Rassismus gegen Asiat*innen.

Nur eines noch: In Deutschland sind am Grippevirus innerhalb eines Jahres 20.000 Menschen gestorben. Das ist eine reale Bedrohung. Wen sollen wir dafür schuldig sprechen? Ja richtig – uns! Nicht das Verhalten der anderen ist schuld an der hohen Ansteckungsrate, sondern unser eigenes.

 

 

Also, bitte keine Diskriminierung mehr! Fangen wir bei uns selber an, unsere Ängste und unser Verhalten zu hinterfragen - und vor allem diejenigen, die ihre eigenen Mängel auf andere projizieren!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    AR (Dienstag, 04 Februar 2020 12:26)

    Der Text ist sehr deutlich, worauf wir gerade achten

  • #2

    DD (Dienstag, 04 Februar 2020 21:00)

    Dieser Artikel von Lin Hierse bringt das Thema auch auf den Punkt:
    https://taz.de/Das-Coronavirus-und-die-Folgen/!5656406/