Werbung mit asiatischer Frau bei Hornbach – ziemlich unangemessen

In einem Werbespot zeigt der Baumarkt Hornbach, wie schwitzende ältere Männer nach der Gartenarbeit ihre Unterwäsche in einer Tüte verschließen lassen und diese in einer grauen Stadt von einer ostasiatischen Frau aus einem Automaten gekauft wird. Beim Riechen an der Unterwäsche verdreht sie ekstatisch die Augen, als wenn sie sexuell befriedigt werde.

 

Ist das Humor oder Rassismus? Oder lediglich sexistische Werbung? Es ist alles zusammen. Die Beschwerden, vor allem von süd-koreanischen Frauen, die eine Online-Petition zur Entfernung des Videos initiiert haben, werden nach Selbstaussage von Hornbach „ernst genommen“ und das Unternehmen schlägt einen Dialog und ein Treffen mit den ‚Betroffenen‘ vor, um „die Hintergründe für mögliche Verletzungen zu erfahren“.

 

 

Die Werbung – ein Witz?

Warum aber wird die Werbung im Fernsehen und auf YouTube durch Hornbach weiter verbreitet, wenn das Unternehmen „jegliche Form von Diskriminierung oder gar Rassismus scharf ablehnt“? Die Wahrnehmung von Hornbach ist offenbar, dass es sich um ein „Missverständnis“ handele, das zu „Unmut“ geführt habe.  Sind asiatische Frauen nicht in der Lage, einen ‚Witz‘ zu verstehen, bei dem doch nur der gesunde Garten der kranken, grauen Großstadt gegenübergestellt wird? Geht es nur um den Frühling und wie er riecht?

 

Wenn die Reaktion lediglich um die eigene Wahrnehmung von Hornbach kreist, kann die Suche nach einem „direkten Dialog“ nicht ernst gemeint sein.

  1. Rassismus: Als Deutscher oder Weißer sollte man sich bewusst sein, dass ein Witz über Menschen, die nicht ‚deutsch‘ oder ‚weiß‘ aussehen, nicht lustig sein kann! Wer einen Witz aufgrund äußerlicher Merkmale macht, findet sich lediglich selber lustig. Wenn der oder die andere nicht mitlachen kann, ist es kein Witz mehr, sondern Diskriminierung.
  2. Sexismus: Als Mann sollte man sich ebenso bewusst sein, dass die Realität Ungleichheiten hat, bei denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert, belästigt oder ihnen gar Gewalt angetan wird – und zwar aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind. Wenn eine Frau sagt, sie möchte, dass der Mann mit ihr anders spricht und er ihre Forderung als ‚Missverständnis‘ abtut und sein Verhalten nicht zu ändern bereit ist, dann beharrt der Mann auf dem ‚Recht des Stärkeren‘.

 

Die Wahrnehmung

Es ist eine Tatsache, dass Asiaten in Deutschland aufgrund Ihres Äußeren häufig belästigt werden. Bei asiatischen Frauen kommt noch die sexuelle Belästigung hinzu. Natürlich belästigt nicht die Mehrheit der Deutschen Asiatinnen. Aber der Werbespot und die Reaktion auf die Empörung spiegelt ein weit verbreitetes Wahrnehmungsbild in Deutschland wider. Hier wird Diskriminierung gegen Asiat*innen nicht wahrgenommen. Asiat*innen gelten als freundlich und zurückhaltend. Daher ist ein Protest in solch einer Wahrnehmung nicht möglich. Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln, das man schnell aus dem Weg räumt, indem man den Asiat*innen erklärt, dass man ja kein Rassist sei. Der Vorwurf des Sexismus scheint so absurd, dass man ihn gar nicht zu thematisieren braucht. Wie soll dabei ein „Dialog in Augenhöhe“ stattfinden?

  

Die Zielgruppe

Wen will Hornbach mit der Werbung erreichen? Baumärkte wie Hornbach generieren einen Großteil ihres Jahresumsatzes im Frühling mit dem Verkauf von Produkten für den Garten. In dem Werbespot ist eindeutig die Zielgruppe nicht asiatische Frauen, sondern ‚deutsche‘ Männer ab 50, die genügend Freizeit und Geld für ihren Garten haben. Der Mehrheit der Männer über 50 ist bewusst, dass sie nicht mehr so attraktiv wie mit 20 oder 30 Jahren sind. Doch eine junge, mausgraue Asiatin kann man schon mit seinem Testosterongestank überzeugen. Sex sells, egal ob in der Gartenabteilung bei Hornbach oder in einer Tüte aus einem Automaten neben einem Straßenimbiss.

 

Was würden wir als Deutsche sagen, wenn… ?

Als Deutscher frage ich mich auch, wie es denn für mich wäre, im Fernsehen eines ostasiatischen Landes zu sehen, wie deutsche Frauen gebrauchte Unterwäsche asiatischer Männer inhalieren. Dazu der Spruch, „So riecht technischer Fortschritt!“ Wäre ich dazu noch eine Frau, der auf der Straße von asiatischen Männern aufgrund meiner Hautfarbe unterstellt würde, ich hätte das Bedürfnis, mit jedem das Bett zu teilen, nur weil er Asiate und Mann sei – ja, wie würde ich mich wohl nach solch einem Werbespot fühlen?

 

Das „Missverständnis“

Ich möchte den Machern des Werbespots unterstellen, dass sie genau wussten, was sie tun. Der Sprecher von Hornbach, Florian Preuß, ließ verlauten, dass Hornbach den Ärger „weder bezweckt noch einkalkuliert“ hätte. Bei einer anderen Migrantengruppe hätte sich Hornbach solch eine Provokation nicht erlaubt, will ich behaupten. Die Idee eines solchen Werbespots mit einer Araberin oder Schwarzen wäre schon in den Anfängen verworfen worden. Doch aufgrund des Bildes, das in Deutschland von Asiaten herrscht, wage ich zu bezweifeln, dass mit einem Widerstand seitens der asiatischen Communities gerechnet wurde. Dass der Werbespot auch Wellen bis ins ostasiatische Ausland schlägt, übersteigt offenbar die Vorstellungskraft dieser deutschen Handelskette.

Wer darf von einem „Missverständnis“ sprechen? Wenn behauptet wird, diejenigen, die angegriffen wurden, hätten den Angriff als Angriff missverstanden – und nicht als wohlmeinenden Akt, dann handelt es sich hierbei um Täterrhetorik. Wer sonst, als die Person, die sich angegriffen fühlt, darf im Nachhinein von einem Missverständnis sprechen?

 

Ein Dialog?

Der Werbespot verbreitet nicht nur ein vollkommen absurdes Bild von Asiatinnen, die den Dreck der 'weißen Rasse' mit Freude absorbieren, sondern die Reaktion auf die Kritik zeigt eine Haltung, dass wir Deutschen immer im Recht seien und die anderen es einfach nicht verstehen wollten. Es ist die Haltung derer, die glauben, dass Rassismus und Sexismus eine Meinung seien und keine gewalttätige Handlung. Solange diese sogenannte ‚Meinung‘ über das Fernsehen und Medien wie YouTube weiter verbreitet wird, kann kein Dialog auf Augenhöhe stattfinden. - Oder wollen Sie mit jemandem eine Unterhaltung führen, der Sie fortwährend schlägt?

 

Askold Hitzler 

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