Studie: Versorgung von Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund in Berlin

 

Im Jahr 2017 beträgt die Anzahl der asiatischen Migrant*innen0F[1] ab 55 Jahren in Berlin 10.003, was einen Anteil von 5,4% an den gleichaltrigen Migranten*innen in dieser Stadt ausmacht (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg). Obwohl die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf ältere Migranten*innen zunimmt, wurden ältere Migrant*innen von kleinen Migrantengruppen bei der Diskussion in Politik und Wissenschaft bisher nicht selten ausgeblendet (Baykara-Krumme, Motel-Klingebiel & Schimany, 2012; Dietzel-Papakyriakou, 2012; Kofahl, Mnich, Dogan & Dogan, 2012; Zeman, 2012) . Demnach liegen kaum Kenntnisse über den Prozess des Alterns und die Bedürfnisse und Erwartungen bezüglich der Pflegebedürftigkeit älterer Migranten*innen aus asiatischen Ländern vor.

 

Wir, GePGeMi e.V., hat eine Pilotstudie zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Altersbildern älterer asiatischer Migrant*innen in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführt, deren Zwischenergebnisse bei dem Fachtag im Dezember 2017 veröffentlicht wurde. Dabei konnten relevante Hinweise auf die gesundheitliche Lage der asiatischen Migrant*innen sowie ihre Bedürfnisse im Pflegefall im Alter entnommen werden. Ein Ergebnis zum Beispiel ist, dass einerseits die gesundheitsbezogene Lebensqualität der befragten asiatischen älteren Migrant*innen schlechter ausgeprägt ist als die der gleichaltrigen Einheimischen und andererseits, dass sich die befragten asiatischen älteren Migrant*innen in Bedürfnissen und Erwartungen bezüglich der Wohnform im Pflegefall nach ihren Herkunftsländern unterscheiden (Kim, 2018).

 

Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, weitere wissenschaftliche Analysen zur aktuellen Lage der Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund und zu den Versorgungsbedürfnissen der älteren asiatischen Migranten*innen in Berlin voranzutreiben, um passgenaue Versorgungs- und Unterstützungsangebote für sie entwickeln zu können. 

 

Ziel des Studienvorhabens liegt somit darin,

a.  einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation der Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund (der ersten Generation) zu gewinnen;

b.  die aktuelle Lage der interkulturellen Orientierung der Einrichtungen im Bereich der Pflege in Berlin zu gewinnen;

c.  die Wünsche und die Bedürfnisse der (potentiellen) Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund der ersten Generation bezüglich der Versorgung zu beleuchten sowie Zugangsbarrieren zu den Angeboten und Unterstützungen im Bereich der Pflege zu ermitteln und

d.  die Bedürfnisse und Zugangsbarrieren bei asiatischen Migrant*innen der ersten Generation aus der Perspektive ihrer Kinder der zweiten Generation sowie ihre Einstellungen und ihre Bereitschaft zur Pflege der Eltern zu explorieren.

 

Auf Basis der erhobenen Daten der Studie werden Handlungsempfehlungen für die interkulturelle Öffnung im Bereich der Altenhilfe in Berlin bezüglich der asiatischen Migrant*innen formuliert; somit soll die Studie schließlich zur Beantwortung der Frage beitragen, wie kleinere Migrantengruppen im gesellschaftlichen System der kultursensiblen Altenhilfe und -pflege tatsächlich berücksichtigt werden können.

 



[1] Mit asiatischen Ländern sind gemeint sowohl südostasiatische Länder wie Vietnam, Thailand, Malaysia etc. als auch ostasiatische Länder wie China, Japan, Korea, Mongolei etc. Die Gesellschaften dieser Länder sind in geschichtlicher Hinsicht durch den Konfuzianismus bzw. Buddhismus tief geprägt, vor allem in Bezug auf deren Kultur, Politik, Religion und sozialen Verhältnissen: Cheng (1990); Lee (2008). Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass sie viele Gemeinsamkeiten bezüglich des Erlebens im Alter und altersbezogenen Bedürfnisse aufweisen. 

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