In der Öffentlichkeit werden Asiaten oft als fleißige, unauffällige Musterschüler der Integration dargestellt. Dass sie sich auch diskriminiert und rassistisch beleidigt fühlen, ist in der deutschen Gesellschaft wenig bekannt. Wenn man sich an die „nett gemeinten“ Witze und Spiele über Chinesen im Kindergarten und in der Grundschule erinnert, scheint es so zu sein, dass dieses Thema in der Gesellschaft toleriert wird, obwohl viele Menschen mit asiatischen Wurzeln in der deutschen Gesellschaft dadurch das Gefühl vom „Anders-sein“ seit ihrer Kindheit erleben müssen.

 

Wie negativ sich die Diskriminierungserfahrung auf die Gesundheit, das Selbstwertgefühl aber auch den Integrationsprozess der Kinder auswirkt, zeigen diverse wissenschaftliche Studien auf.1,2,3 Es ist auch anzunehmen, dass die negative Wirkung noch bestärkt wird, wenn die Kinder das Gefühl haben, dass ihre Diskriminierungserfahrung nicht nur von den Erziehern/innen oder den Lehrer/innen, sondern auch von den eigenen Eltern nicht ernst genommen, und bagatellisiert wird.

 

Anhand der Bedarfsanalyse durch ein Gruppeninterview mit asiatischen Migranteneltern, die im Rahmen eines Projekts von uns (GePGeMi e.V.) durchgeführt wurde, konnte darauf hingewiesen werden, dass die asiatischen Eltern großes Interesse an einer gesunden Identitätsbildung ihrer Kinder haben und dass den Eltern außerdem eine angemessene Reaktion im Umgang mit Diskriminierungsfällen ihrer Kinder fehlt. Die folgende Aussage einer südkoreanischen Mutter von einem 10-jährigen Kind in der Diskussion verdeutlicht ihre Unsicherheit im Umgang mit der Diskriminierungserfahrung ihres Kindes: 


„(…)  das Kind sagt der Mutter nach der Schule <Mama, heute hat jemand ‚Ching Chang Chong‘ zu mir gesagt>, dann sind die Reaktionsmuster der koreanischen Mütter darauf meiner Erfahrung nach sehr ähnlich geprägt: eine beliebte Antwort lautet: <So was kannst du ignorieren.> Die typische Antwort ist nicht deswegen so, weil sie von der Antwort überzeugt sind, sondern eher deswegen, weil viele Mütter gar nicht wissen, wie man darauf reagieren soll oder kann. (...)„ (Aus dem Gruppeninterview)

 

GePGeMi e.V. ist sich dessen bewusst, dass die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft ein großes Hindernis für die Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in allen Bereichen und für den Erhalt der Gesundheit der Betroffenen darstellt, und davon überzeugt, dass die Eltern als erste Ansprechpartner für die Diskriminierungserfahrung der Kinder von großer Bedeutung sind.

 

Das Ziel des Projektes „ElKi, sag Nein zu „Ching Chang Chong“ ist

  • die Sensibilisierung der asiatischen Eltern zum Thema Diskriminierungserfahrung von Kindern und
  • die Eltern dazu zu motivieren, eigene Erfahrungen mit Diskriminierungsfälle von Kindern und eigene Meinungen in der Öffentlichkeit zu zeigen, um Desensibilisierung gegen Vorurteile und Diskriminierung gegen die asiatische Migrantengruppe in der Nachbarschaft entgegenzuwirken. 

 

 


Referenzen

1 Igel, U., Brähler, E. & Grande, G. (2010). Der Einfluss von Diskriminierungserfahrungen auf die Gesundheit von MigrantInnen. Psychiatrische Praxis, 37 (04), 183-190.

2 Uslucan, H.-H. & Yalcin, C. S. Y. (2012). Wechselwirkung zwischen Diskriminierung und Integration - Analyse bestehender Forschungsstände. Expertise des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Stand: Juli 2012). Berlin: Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

 

3 Ziegler, P. & Beelmann, A. (2009). Diskriminierung und Gesundheit. In K. J. Jonas & A. Beelmann (Hrsg.), Diskriminierung und Toleranz. Psychologische Grundlagen und Anwendungsperspektiven (S. 357-378). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage GmbH Wiesbaden.