Gesundheitsbezogene Lebensqualität und Altersbilder ost- und südostasiatischer älterer Migrant/innen


GePGeMi e.V. hat den Versuch unternommen, eine Pilotstudie zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Altersbilder bei ost- und südostasiatischen älteren Migranten/innen durchzuführen. Es handelt sich um eine quantitative Befragung mit einem breiten Spektrum an Fragen, das 7 Kategorien (Gesundheitsbezogene Lebensqualität, Wohnform und Wohnsituation, Familienbeziehungen und soziale Beziehungen, familiäres und bürgerliches Engagement, Materielle Situation, Kulturbedingte Altersbilder und demografische Daten) enthält. Insgesamt werden 42 Fragen gestellt.

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität kann als ein mehrdimensionales Konstrukt verstanden werden, welches körperliche, emotionale, mentale, soziale und verhaltensbezogene Aspekte des Wohlbefindens und der Funktionsfähigkeit aus der subjektiven Sicht der Betroffenen abbildet (Bullinger, 2000). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität spielt als Indikator für die Gesundheit und Lebensqualität zunehmend eine bedeutsame Rolle und wurde bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in großem Umfang untersucht. Für die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wird in der Pilotstudie das standardisierte Instrument SF-12 eingesetzt, sodass das Ergebnis dieser Pilotstudie mit zahlreichen anderen Studien verglichen werden kann. Darüber hinaus ist beispielsweise die Frage von Interesse, inwieweit die gesundheitsbezogene Lebensqualität der ost- und südostasiatischen älteren Migranten/innen im Zusammenhang mit der Zufriedenheit ihrer Generationenbeziehungen oder außerfamiliären Beziehungen und ihrer Bereitschaft zu familiärem sowie sozialem Engagement usw. stehen. 
  • Altersbilder sind individuelle und gesellschaftliche Vorstellungen vom Alter, vom Altern oder von älteren Menschen (BMFSFJ, 2010). Ost- und südostasiatische Länder sind diejenigen Länder, deren Werte und Normen der Gesellschaft und damit auch ihre Vorstellungen vom Alter(n) ihren Ursprung im Wesentlichen in der konfuzianischen bzw. buddhistischen Lehre haben. Allerdings sind in diesen Ländern gegenwärtig relativiert durch die faktischen, alltagspraktischen Konsequenzen des demografischen Wandels, der Industrialisierung sowie der Individualisierung der Gesellschaft zunehmend widersprüchliche, ambivalente Altersbilder nebeneinander zu beobachten, wodurch sich die extrem hohe Selbstmordrate der älteren Menschen dort z.B. in Südkorea erklären lässt. Nun ist die Frage von Interesse, ob sich Altersbilder von ost- und südostasiatischen älteren Menschen in Deutschland durch den Migrationsprozess verändert haben oder ob sie die vom Konfuzianismus bzw. Buddhismus geprägten Altersbilder noch in sich tragen, obwohl sie hierzulande über 40 oder 50 Jahre lang gelebt haben. Die Frage ist in Bezug auf die Altenhilfe oder -planung wichtig, weil die Altersbilder einen großen Einfluss auf die Bedürfnisse der älteren Menschen und auf ihre Erwartung an die Jüngeren und an die Gesellschaft haben.

Der Fragebogen wurde in der deutschen Sprache erstellt und danach zuerst ins Vietnamesische, Koreanische und Japanische übersetzt. In der ersten Phase wurden ältere Migranten/-innen mit einem vietnamesischen, koreanischen und japanischen Migrationshintergrund in Berlin befragt. 

 

Link zur Online Befragung: 

Die Zwischenergebnisse werden beim Fachtag von GePGeMi e.V. „Liebe asiatische Seniorinnen, wie geht’s Ihnen?“ am 01.12.2017 im Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf Berlin veröffentlicht.

  

 

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Bundesministerium für Familie Senioren Frauen und Jugend. (2010). Eine neue Kultur des Alterns: Altersbilder in der Gesellschaft. Erkenntnisse und Empfehlungen des Sechsten Altenberichts. Berlin: Bundesministerium für Familie Senioren Frauen und Jugend.

Bullinger, M. (2000). Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität mit dem SF-36-Health Survey. Bundesgesundheitsbl -Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz, 43, 190–197.