Dokumentation des Fachtags erschienen

„Liebe (asiatische) Senior‘*innen, wie geht’s Ihnen heute?“ Unter diesem Titel fand am 01. Dezember 2017 der Fachtag zu den Zwischenergebnissen der ersten Studie zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Altersbilder von (ost‐)asiatischen Senior*innen in Berlin statt. Jetzt ist die ausführliche Dokumentation zur Veranstaltung erschienen! 

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Dokumentation des Fachtags "Liebe (asiatische) Senior‘*innen, wie geht’s Ihnen heute?“ in deutscher Version
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専門会議記録 「(アジアの)高齢者のみなさま、今日はご機嫌いかがですか」-in Japanisch-
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학술회 프로그램북 "친애하는 (아시아) 어르신들, 오늘 어떻게 지내시나요?“ -in Koreanisch-
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Tài liệu hội thảo chuyên ngành "Quý vị (Châu Á) cao tuối thân mến, hôm nay quý vị có khỏe không?" -in Vietnamesisch-
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Evaluation des Fachtags

Im Anschluss an den Fachtag hatten die Teilnehmer*innen in der folgenden Woche die Möglichkeit, den Fachtag anhand einer Online-Befragung zu bewerten. An 72 Teilnehmer*innen wurde die Einladung verschickt, von denen 29 an der Evaluation teilgenommen (39,7%) haben.

 

Die Gesamtzufriedenheit mit dem Fachtag „Liebe asiatische Senior*innen, wie geht es Ihnen heute?“ ist sehr hoch. Insgesamt waren 85,7% der befragten Teilnehmer*innen mit dem Fachtag „sehr zufrieden“ (n=16) oder „eher zufrieden“ (n=14).

Abbildung 1. Zufriedenheit mit der Gesamtheit des Fachtags

 

Eine deutliche Mehrheit ist zufrieden mit dem Vortrag II („sehr“ oder „eher“ zufrieden sind 93,1%, n=27). Geringer fällt die Zufriedenheit mit den Vorträgen III („sehr“ oder „eher“ zufrieden sind 77,4%, n=24) und I („sehr“ oder „eher“ zufrieden sind 66,7%, n=21) aus. 

Abbildung 2. Zufriedenheit mit den Vorträgen

 

Mit der Organisation der Tagung sowie den Rahmenbedingungen sind die allermeisten Befragungsteilnehmer/innen zufrieden. In allen Bereichen liegt „sehr“ oder „eher“ zufrieden bei über 80%. Dies betrifft sowohl die Theatergruppe (100%) als auch die Moderation (80%) den Veranstaltungsort (92,6%), das Catering (100%). Insgesamt „sehr“ oder „eher“ zufrieden mit der Organisation waren 96,2% der befragten Teilnehmer/innen.

Womit waren Sie besonders (un-)zufrieden? - ausgewählte Aussagen von den Teilnehmer*innen:

  • "Die Präsentation war sehr gut vorbereitet und konnte sehr deutlich klare Aussagen weitergeben."
  • "Gute Themen in Vorträgen und Workshops Wichtige Studie und Ergebnisse"
  • "Die Betroffenen hatten m.E. wenig Gelegenheit, ihre 'Sicht der Dinge' vorzutragen (...) Was sind die besondere Bedarfe (ost)asiatischer Migrant*innen? Diese zentrale Frage wurde nur durch die Präsentation des Zwischenergebnisse aufgegriffen. Sehr warmherzige, freundliche Organisation. Der Aufwand für die Durchführung der Veranstaltung war sichtbar. Danke dafür!"
  • "Überblick über die Gesundheit der asiatische senior*innen und die Maßnahmen und Möglichkeit für ältere Migrant*innen mit Pflegebedürftigen in Deutschland"
  • "Die Zeit für die Workshops war kurz bemessen."
  • "Dass man überhaupt mit anderen Ländern Austauschen konnte. Und das war auch was feierliches!" 
  • "Für mich waren die Infos neu und interessant."
  • "Durch die Umfrage haben wir deutliche Fakten erhalten. Durch die Workshops haben wir einige Lösungsansätze bearbeitet. Trotzdem vermisse ich die konkreten Umsetzungen der Lösungen. Noch bleiben sie vage."
  • "Gratulation zu dieser tollen Veranstaltung! Sehr zufrieden war und bin ich damit, dass das Thema "Älterwerden von Menschen aus asiatischen Ländern unter den Bedingungen von Migration" erstmals in dieser geballten Form eines Fachtags in der Öffentlichkeit erschienen ist und es eine mehrsprachige Publikation der Ergebnisse geben wird. Der wissenschaftliche 1. Fachvortrag (Statistik) hat sehr gute und interessante Ergebnisse gezeigt, vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die wichtigen Ergebnisse in einer noch einfacheren Form dem Publikum vorzustellen. Die sich anschließende Diskussion an die Vorträge am Vormittag zeigte, dass das Interesse und die Neugier der "einheimischen Deutschen" bezüglich der Zielgruppe enorm groß ist." 
  • "Ich war sehr zufrieden mit der offenen Gesprächskultur."
  • "Insgesamt sehr interessant und informativ besonders auch für Teilnehmer aus dem nicht asiatischen Kulturkreis."
  • "Ich würde mir mehr Gelegenheiten dieser Art wünschen, mit Menschen asiatischer Herkunft in Kontakt zu kommen."
  • "Es ist sehr ermutigend, dass es so eine Organisation gibt, die sich für das Thema asiatischer Migrant*innen im Alter einsetzt."
  • "Dass es sowas überhaupt stattgefunden hat. Gaaaaanz toll! Weiter so!"
  • ...

Pressebericht

 

„Liebe (asiatische) Senior_innen, wie geht’s Ihnen heute?“

 

Erste Studie zu Bedürfnissen und gesundheitlicher Lage

ostasiatischer Senior_innen in Berlin

 

Die ‚Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migranten/-innen in Berlin e.V.‘ (GePGeMi) führte die erste Studie zu Bedürfnissen und gesundheitlicher Lage ostasiatischer Senior_innen in Berlin durch und präsentierte die Zwischenergebnisse auf einem Fachtag im Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Integrationsbeauftragten des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorfs, Herr Leon Friedel, der die Begrüßungsrede hielt.

 

- Christof Rambke -

 

Für die Realisierung der Studie und der Präsentation der Zwischenergebnisse auf dem Fachtag kooperierte ein breites Bündnis aus asiatischen Migrantenselbstorganisationen: GePGeMi e.V., Japanische Fraueninitiative Berlin, Theatergruppe koreanischer ehemaliger Krankenschwestern, DeJaK-Tomonokai e.V., Danke Deutschland e.V., Vereinigung der Vietnamesen in Berlin & Brandenburg e.V.

 

Die Studie von GePGeMi e.V. liefert Verantwortlichen erste Anhaltspunkte dafür, wie sie auf ostasiatische Senior_innen in ihren Planungen eingehen können. Untersucht wurden japanische, koreanische und vietnamesische Ältere. Für die Studie wurde ein standardisierter Fragebogen verwendet und auf Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch und Deutsch übersetzt, der eine internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglicht.

 

Dr. Min-Sung Kim, erster Vorsitzender von GePGeMi e.V. und Gastdozent an der Alice-Salomon Hochschule, präsentierte die ersten Zwischenergebnisse der Studie. Im Vergleich zur deutschen Bevölkerung haben die Befragten ein deutlich höheres Bildungsniveau. Allerdings wird die physische und psychische Gesundheit subjektiv geringer eingeschätzt. Dies ist insbesondere bei Personen vietnamesischer Herkunft der Fall. Ältere Vietnamesen geben auch sehr deutlich mit ca. 70% an, dass sie sich benachteiligt fühlen, was bei Japanern und Koreanern viel seltener ist. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die traditionelle konfuzianische Einstellung, dass der Sohn sich um die altgewordenen Eltern kümmern soll, bei den Befragten kaum eine Rolle spielt.

 

Alle Herkunftsgruppen zeigen eine starke Präferenz dafür, auch im Alter in der eigenen Wohnung zu bleiben. Während allerdings Japaner und Koreaner die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst bzw. den Einzug in eine Wohnung in einem Pflegeheim als wichtige Optionen betrachten, ist die Erwartung bei den Vietnamesen durch die eigenen Kinder versorgt zu werden um ein vielfaches höher. Der Umzug in eine kultursensible Wohngemeinschaft ist für alle Gruppen eine weitere attraktive Möglichkeit. Alle Herkunftsgruppen zeigen eine starke Überzeugung, dass die Lebensqualität im Alter von der eigenen Initiative und Planung abhängt. Daher kann von großen Potenzialen für Selbstorganisation und Selbsthilfe unter den ostasiatischen Migrant_innen ausgegangen werden.

 

Ein sehr gutes Beispiel für Selbstorganisation ist der Deutsch-Japanische Verein für kultursensible Pflege, DeJak – Tomonokai e.V., dessen Arbeit von Frau Nozomi Spennemann vorgestellt wurde. Der Verein ist eine Koordinierungsstelle des japanischen Regierungsprogramms ‚Caravan-Mate‘ und bildet Ninchisho (Demenz)-Supporter in Deutschland aus. In dem Workshop ‚Von der Nachbarschaftshilfe zum Ehrenamt: Wie kann informelle Hilfe innerhalb der Community professionalisiert werden?‘ stellte Frau Nozomi Spennemann die neue Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung (Kontaktstellen PflegeEngagement) vor. Erfahrungen und Herausforderungen bei der Unterstützung der japanischsprachigen Ehrenamtlichen durch die Kontaktstellen PflegeEngagement sowie Chancen der Übertragbarkeit des Modells auf andere Communities wurden diskutiert.

 

Andrea Müller vom Pflegestützpunkt Lichtenberg berichtete in einem weiteren Vortrag über die Beratung von vietnamesischen Pflegebedürftigen. Pflegestützpunkte aus Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg kooperieren mit ‚Reistrommel e.V.‘ und dem Verein ‚Humanität, Kultur-Sport e.V.‘, um die Beratung auf Vietnamesisch zu gewährleisten. Reistrommel e.V. hat dafür Projektgelder beantragt und das Dolmetschen übernimmt Frau Nguyen Thi Quyet Thang von ‚Humanität, Kultur-Sport e.V.‘.

 

Im Workshop ‚Gesellschaftliche Teilhabe‘ vertiefte Herr Dr. Min-Sung Kim (GePGeMi e.V.) die Untersuchungsergebnisse und diskutierte die Frage ‚Wie gesellschaftliche Teilhabe unter den ostasiatischen Migranten gefördert werden kann‘.

 

Im Workshop ‚Kultursensible Pflege‘, der von Christof Rambke (kom•zen) geleitet wurde, ging es zunächst darum, die Bedürfnisse ostasiatischer Älterer zu artikulieren, um mögliche Ansatzpunkte und Bedarfe für die interkulturelle Öffnung der Altenhilfe abzuleiten. Es wurde deutlich, dass es an mehrsprachigen Pflegeangeboten mangelt. Angebote im ambulanten Bereich sowie bei Wohngemeinschaften müssen noch geschaffen werden. Bestehende Angebote insbesondere im stationären Bereich müssen sich stärker interkulturell öffnen.

 

Mit der Studie und dem Fachtag hat GePGeMi e.V. einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Altenhilfesystems in Berlin geleistet. Die weiteren Auswertungen der Studiendaten werden über die gesundheitliche Situation und die Bedürfnisse ostasiatischer Älterer aufklären und eine gezieltere Planung von Angeboten und Diensten ermöglichen.

 

Dez. 2017

Christof Rambke (kom-zen)

 


Zum Programm

„Liebe (asiatische) Senior*innen, wie geht’s Ihnen heute?“

In Zeiten des demografischen und gesellschaftlichen Wandels, der in Deutschland von Langlebigkeit und Zuwanderung geprägt ist, sind Altern und Alter vielfältiger geworden. Zu dieser wachsenden Heterogenität trägt auch die wachsende ethnische und kulturelle Differenzierung des Alters bei: Der Anteil der älteren Migrant*innen nimmt zu - mit steigender Tendenz. Von diesem demografischen und gesellschaftlichen Wandel und dessen Herausforderungen sind auch ohne Ausnahme die (ost-)asiatischen älteren Migrant*innen betroffen, die als Gast- bzw. Vertragsarbeiter*innen, Flüchtlinge oder aus unterschiedlichen persönlichen Gründen in den 1960er, 1970er oder 1980er Jahren in Deutschland einreisten, sich niederließen und hier auch die Lebensphase des Alters erleben werden.

Angesichts der steigenden Zahl älterer Migrant*innen aus (ost-)asiatischen Ländern sind Kenntnisse über ihre gesundheitliche Lage und ihre Bedürfnisse notwendig, um sie bei der zukünftigen Planung von gesundheitsfördernden und von Altenpflegeangeboten auf der politischen und der gesellschaftlichen Ebene besser zu berücksichtigen. Jedoch gibt es in Deutschland wenige Kenntnisse über ältere Migrant*innen: Die Lebenssituation von großen Migrantengruppen wie z.B. aus der Türkei wird zwar erforscht, doch älteren Menschen aus anderen Herkunftsländern wurde bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Im ersten Teil beim Fachtag werden Vorträge als Antwort auf die Frage „Wie geht´s Ihnen heute?“ gehalten, indem die Ergebnisse einer Befragung in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und Altersbilder bei (ost-)asiatischen älteren Migrant*innen in Berlin vorgestellt und Erfahrungen in Zusammenarbeit mit (ost-)asiatischen älteren Migrantengruppen in der Praxis der Altenhilfe sowie aktuelle Aktivitäten von (ost-)asiatischen älteren Migrant*innen beleuchtet werden. Im zweiten Teil bieten dann drei Diskussionsrunden einen Raum, wo Expert*innen im Bereich der Altenhilfe und ältere asiatische Migrant*innen über Chancen und Herausforderungen zum gesundheits- und teilhabefördernden Leben im Alter in der Migration miteinander diskutiert werden können.

Programm ist hier! 

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Kooperationspartner:

Träger: GePGeMi e.V. 

Kontakt: Jieun Park, jieun.park@gemi-berlin.de

Das Projekt wird durch House of Resources Berlin und IKMO gefördert.