Leitbild 

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Unserer Arbeit für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migranten/-innen liegt der salutogenetische Gedanke zugrunde.

  

 

Was bedeutet „Salutogenese“?

 

„Salutogenese“ bedeutet Entwicklung der Gesundheit (Lateinisch "Salus" heißt Gesundheit und griechisch "Genese" bedeutet Entwicklung). Das Wort „Salutogenese“ wurde von dem amerikanisch-israelischen Soziologen Aaron Antonovsky (1923-1994) als Gegenbegriff zu „Pathogenese“ (Entwicklung von Krankheit) geprägt.

 

Die salutogenetische Orientierung verschiebt sich von der klassischen pathogenetischen Frage „was macht den Menschen krank?“ hin zur salutogenetischen Fragestellung: "Was macht den Menschen gesund?" Wie entwickelt sich die Gesundheit von Menschen?

 

 

Krankheiten, Leiden, Schmerzen und Tod

gehören naturgemäß zum Leben


In der Pathogenese, die in der Medizin die vorherrschende Sichtweise ist, werden Krankheiten als eine Abweichung von dem normalen Zustand gesehen. In der Salutogenese dagegen gelten Krankheiten als eine normale Erscheinung im menschlichen Leben - so wie die Gesundheit. 

 

„ (…) Der Fluss ist der Strom des Lebens. Niemand geht sicher am Ufer entlang. (…)Es gibt Gabelungen im Fluss, die zu leichten Strömungen oder in gefährliche Stromschnellen und Strudel führen. (…) Kein Fluss ist sehr friedlich. (…)“ (Antonovsky, 1993)

 

Nach der salutogenetischen Sichtweise schwimmen alle Menschen immer in einem mehr oder weniger gefährlichen Fluss des Lebens und stehen niemals dauerhaft auf der sicheren Seite. Es wird in der Salutogenese davon ausgegangen, dass Krankheiten, Leiden, Schmerzen und Tod zum Leben gehören, dass sie Bestandteile menschlicher Existenz sind.

 

Wer ist gesund in der Salutogenese?

 

In der Pathogenese werden Menschen in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine, die aus dem Fluss gerettet werden muss und eine andere, die in der überwiegenden Zeit ihres Lebens mit trockenen Füße am Ufer entlang läuft und sich nur in Ausnahmefällen die Füße nass macht; die Menschen sind entweder gesund oder krank.

 

Die Menschen sind aus der salutogenetischen Sichtweise nicht in der Kategorie „gesund“ oder „krank“ einteilbar, sondern sie befinden sich auf einem Kontinuum zwischen den Polen gesund und krank und ihre Position kann sich im Verlauf des Lebens ständig verändern. Es ist unmöglich, dass jemand vollständig gesund und völlig krank ist.

 

Aus dem Gedanken der Salutogenese ist...

... jeder Mensch, solange er lebt, in gewissem Maße gesund!    



Antonovsky, A. (1993). Gesundheitsforschung versus Krankheitsforschung. In A. Franke & M. Broda (Hrsg.), Psychosomatische Gesundheit. Versuch einer Abkehr vom Pathogenese-Konzept (S. 3–14). Tübingen: Dgvt-Verlag.

Antonovsky, A. (1997). Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. (Franke, A., Ed.): Dgvt-Verlag.